Adriatic Sailing 

& Tours

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ALBANIEN

Eine Segelreise ins Land der Skipetaren 

Reisebericht von Rosi Ditz und Anton Bozic

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Von Pescara (Italien) nach Durres (Albanien)

Mai 2004

 

Nach 48-stündiger, teilweise recht rauer Fahrt, erreichen wir, von Pescara kommend, am frühen Morgen den Einklarierungshafen DURRES.

Nach wiederholtem Anruf auf UKW 16, meldet sich endlich Durres Port Control mit verschlafener Stimme, und ersucht, nachdem wir die gewünschten Schiffs- und Crewdaten durchgegeben hatten, dass wir kurz vor dem Einlaufen in den Hafen nochmals anrufen.

 

Als wir dies etwa eine Stunde später auch tun, rührt sich weder auf Kanal 16 noch 15 (Anrufkanal für Durres-Hafen) etwas. Nach etlichen Versuchen geben wir schließlich auf und suchen im großen Hafenbecken nach einer geeigneten Anlegestelle. Wir drehen im unheimlich schmutzigen Wasser (Öl, Tierkadaver u.ä.) einige Erkundungsrunden. Nirgendwo ist jemand zu sehen, der uns sagt, wo wir anlegen sollen.

Es gibt nicht viele Möglichkeiten – nur zwei um genau zu sein. So entscheiden wir uns schließlich für eine Lücke zwischen zwei großen Frachtschiffen, wo auch ein Lotsenboot liegt.

Und siehe da: Hier steht auch unser Hafenkapitän; das Funkgerät hat er zwar am Gürtel hängen, doch an ein Benützen denkt er wohl nicht – wahrscheinlich mangels Englischkenntnisse.

Hilfreiche Hände sind uns beim seitlichen Anlegen behilflich. Vor den am Kai hängenden Autoreifen müssen wir uns gut mit unseren Fendern schützen; es ist weder leicht noch lustig die schwarzen Gummistreifen von den Bordwänden wieder zu entfernen.

 So nach und nach bekommen wir dann Besuch von etwa sechs Beamten inklusive eines Agenten, der als Einziger gut Englisch kann; das ist auch seine einzige Funktion – Dolmetschen.

Für das Einklarieren zahlen wir für Boot (12m) und fünf Personen 60,- Euro bar; von Quittung keine Spur. Aber alles läuft sehr jovial ab, dauert aber länger als eine Stunde bis alle Formulare penibelst von den Beamten selbst ausgefüllt und von uns unterzeichnet sind.

Man mach uns höflich darauf aufmerksam, dass das Boot stets bewacht werden sollte. Der Beweis kommt kurze Zeit später, als wir auf einmal einen ungebetenen Gast mitten in unserem Salon erwischen. Dabei ist der Skipper an Bord, hält aber in der Bugkabine ein Nickerchen. Der Eindringling wird durch den zurückkehrenden Andy verscheucht.  Geklaut wurde gottseidank nichts.

 Noch eine Überraschung: Kaum hat sich der Skipper nach der 48-Stunden-Überfahrt mal kurz hingelegt, wird schon heftig an die Bordwand geklopft. Eine Fähre ist im Anmarsch – die „Serengeti“ muss den Platz für eine Stunde räumen! Also weg von der Mole und längseits an einen Frachter, bis die Fähre sich wieder von dannen macht.

Nach kurzer Schlafpause geht es dann in die Stadt. Der Hafen hat zwar einen Zaun rundherum, jedoch kann so ziemlich jedermann rein, der rein will. Zwielichtige Gestalten gibt es auch genügend auf den benachbarten Frachtern. Wir lassen einen vom Hafenkapitän empfohlenen Aufpasser an Deck zurück, und der macht seine Arbeit auch gut, wie sich am Ende zeigt.

Die Stadt Durres hat durchaus ihre Reize, auch wenn die Armut überall sichtbar ist. Selbst die Hauptstraße hat ordentliche Schlaglöcher, und die Nebenstraßen haben Asphalt nie gesehen. Jedoch gibt es einige interessante Bauten und Moscheen, die Kaffeehäuser sind einfach aber nett und gut besucht. Die Geschäfte haben moderne Waren im Schaufenster, die Jugend ist schick angezogen und das Handy wie in Mitteleuropa omnipräsent.

Wir sehen keine Bettler auf den Straßen, die Menschen sind nett und gerne behilflich. Wir werden nie belästigt. Neben modernen neuen Gebäuden sieht man aber viele alte und desolate Häuser. Wenn man was zum Beißen sucht: Kein Problem, wenn man sich mit Einfachem zufrieden gibt. Sucht man etwas Gehobeneres, muss man schon ein bisserl suchen, vor allem wenn man fremd in der Gegend ist.

 

Resümee: Wenn man den dreckigen und auch recht unsicheren Hafen (Wache ist unerlässlich) in Kauf nimmt, in dem es auch keinen optimalen Liegeplatz gibt, ist Durres durchaus eine Stop wert.

 

Mit Musik verabschieden wir uns von Pula

Gute Winde treiben uns gen Süden 

Volle Konzentration am Ruder ist erforderlich

Unter Deck PASST die Stimmung...

Über Deck ebenso !

Ankunft in Albanien: Der albanische Einklarierungshafen Durres

Am Empfangskai in Durres

Der Hafenkapitän: Zuerst mal die Formalitäten, bitte!

VLORE: 60Meilen südlich von Durres, macht das Anlegen und Bleiben leicht

 

Von Durres nach VLORE 

(wird Wlora ausgesprochen; manchmal auch Vlora geschrieben):

 

Nachdem wir aus Durres ausklariert haben (notwendig, auch wenn man vor hat wieder einen albanischen Hafen anzulaufen) – wir bekommen eine eigene Bestätigung – machen wir den 60-Meilen-Sprung nach Süden. Es ist ein herrlicher Segeltag mit Sonnenschein und passendem Wind. Die Küsten entlang empfangen wir auf FM (100,8) einen albanischen Radiosender mit Supermusik – und so gut wie null Gequatsche! Man empfängt ihn aber leider nur auf der Strecken von Durres nach Vlore in Küstennähe.

Vlore erreichen wir erst gegen 22 Uhr und es ist schon recht finster. Auf Kanal 12 und 16 soll man den Hafenkapitän erreichen können. Und tatsächlich meldet sich sofort eine freundliche Stimme und gibt uns Auskunft wo wir im Hafen gut anlegen können.

Es ist mehr als genug Platz vorhanden; wir sind das einzige Boot am Kai, mal von einem kleinen Lotsenboot und ein paar Fischerkähnen abgesehen. Gleich in der Nähe unserer Anlegestelle befindet sich ein Wachhäuschen, das auch mit einem Polizisten besetzt ist. Unbefugte Personen haben keinen Zugang zu diesem Teil des Hafens.

Der Hafenkapitän erscheint unverzüglich mit einem Tross weiterer Beamter, und wieder müssen wir eine kleine Verwaltungsprozedur über uns ergehen lassen, die uns nochmals 30 Euro kostet (Shore-Pass für 4 Personen), aber auf nette Art und Weise erfolgt. (Mit dem ausgehändigten Shorepaß können wir das Hafengelände verlassen und betreten – werden aber immer genau kontrolliert).

Gleich in der Nähe des Hafens finden wir mit Hilfe des freundlichen und hilfsbereiten Hafenkapitäns ein Restaurant, wo wir gute und preiswerte Pizzas bekommen. Der Hafenkapitän wir natürlich mit eingeladen.

 

Am nächsten Tag nehmen wir uns ein Taxi für den Tag für 80 Euro. Dieser Preis ergibt sich erst nach längeren Verhandlungen mit verschiedenen Taxifahrern. Der erste wollte gar Euro 400 (!!!) für 12 Stunden Arbeit.

Südlich von Vlore wird anscheinend mit italienischem Geld und Management eine Super-Marina (mit eigenem Flugplatz!!!) gebaut. Es heißt zwar, dass sie noch 2004 fertig werden soll, aber wenn es 2005 wird, ist es noch immer ein Wunder. Derzeit steht gerade mal ein Gebäude und das Hafenbecken ist mal grob ausgebaggert. Da wartet noch viel Arbeit bzw. muss da noch viel Geld reinfließen.

 

Andreas aus München kennt sich schon etwas in Albanien aus – er hat auch das mit dem Taxi organisiert – und führt uns in die südlich von Vlore gelegenen Berge, wo es auch gute Restaurants geben soll. Die Fahrt geht zeitweise nur im Schritttempo voran – die Straße ist in desolatem Zustand oder wird gerade repariert. Dann gibt es aber auch rege Bautätigkeiten auf der Straße: Sie wird mit EU-Geldern modernisiert – bzw. überhaupt erst in eine ordentliche Straße verwandelt.

Auf dem Pass, hier hat man schon einen Blick auf die Insel Korfu im Südwesten, finden wir ein idyllisches Restaurant versteckt zwischen Bäumen. Das gegrillte Lammfleisch war erstens vorzüglich und zweitens sehr preisgünstig. Die Höhe von 1000m über dem Meeresspiegel mach sich allerdings mit ziemlicher Kälte (trotz Sonne) bemerkbar. Wir sind auch nicht gerade optimal dafür gekleidet, und so verdirbt uns das eigene Zittern etwas den Appetit.

 

Nach der Rückkehr nach Vlore finden wir auch ein Internetcafe, wo wir unsere Post erledigen können. Ein Aufstieg zur Festung über Vlore (15.Jhdt.) und ein Diskobesuch runden das Albanien-Programm ab.

 

Resümee: Vlore hat hafenmäßig viel Besseres und Sichereres als Durres zu bieten. Die Stadt ist wohl nicht gar so interessant, aber in der Umgebung gibt es einiges Interessantes zu sehen – richtig Albanien halt.

Auf Pferderücken ins Landesinnere – so Land und Leute kennen lernen – kommt mir so in den Sinn. Durch das Land der Skipetaren!

 

 

Eine Supermarina (?), mit eigenem Flugplatz (!) ist südlich von Vlore im Entstehen

Auf Pferderücken  wäre wohl die optimale Art, Albanien wirklich kennen zu lernen

Am Ziel: Korfu

Rosi und Hans tauschen ihre Erfahrungen aus

Hans: Die erste große Seereise ist vorbei

Von Vlore nach Korfu

sind es noch gute 60 Meilen. Beim Ausklarieren in Vlore teilt uns der Hafenkapitän noch mit,  dass zwei Tage zuvor in der Nacht eine österreichische Yacht vor Durres auf eine Untiefe gelaufen sei. Die Mannschaft (mit Schiff?) konnte aber heil geborgen werden. Bis dato konnte ich noch nicht feststellen, um welche Yacht es sich da handelte.

Gutes Segelwetter bringt uns flott zur Nordostecke von Korfu; dann aber schlägt der Wind auf Süd um und es wird doch Mitternacht bis wir endlich an der Zollpier im Hafen von Korfu festmachen.

ALBANIEN? Allgemein besteht die Meinung, dass es sich gelohnt hat!

 

 

 

Allgemeine Infos zu Albanien

Visum:

Für EU Mitglieder wird direkt bei Ankunft von der Hafenpolizei ein 1-Monat Visum (Shore-pass) für 10 U$ / Person ausgestellt. Dieses ist ohne Problem verlängerbar und gilt für Reisen im gesamten Land. Crew-Wechsel ist ohne Probleme möglich.

Einklarierungshäfen

Sarande (südlichster Hafen), Himara, Vlore/Vlora (Valona), Durres (Dirrahio), Shengin (Militärhafen und nördlichster Hafen)

Kosten

Wir haben im Mai 2004 für eine 11.6m lange Segelyacht und fünf Personen, € 50,- in Durres bezahlt (ohne Beleg) und mussten dann in Vlore nochmals € 30,- zahlen. Angeblich hätten die € 50,- mit Beleg gereicht (lt. Auskunft des Harfenkapitäns in Vlore!), aber so...

Gesundheitsrisiken: keine

Zeitzone:
  UTC + 1 Stunden (MEZ mit Sommerzeit)

Währung: 

Albanischer Lek : Man beachte die Inflationsrate von bis zu 40%

August 2004: 1 Euro = 121,58 Lek

Wetter:

Knackig kalte Winter, zumindest in den Berglagen und heiße Sommertage (bis zu 40°) werden durch die Balkan-Großwetterlage bestimmt. Die gefürchtete Bora aber ist soweit südlich nur selten wetterbestimmend. Wärend der Segelsaison von Mai bis Oktober ist es tagsüber sehr warm und Abends und Nachts kühlt es angenehm ab. Leider sind die vorherrschenden Segelwinde aus NW und SO nie sehr kräftig oder kontinuierlich. Fast 50 % der Zeit herrscht Flaute oder ist es schwachwindig, unterbrochen von den täglichen Thermischen Einflüssen (Land- und Seewind) nahe der Küste. Schwere Stürme oder gar Orkane sind nicht bekannt.

 

Reisebericht von Rosi Ditz, Mai 2004 

 

Albanien - Shqiperia - Land des Adlers  

 ist eines der touristisch unerschlossensten Reiseexoten in Europa, was dementsprechend neugierig macht. Wenn man noch dazu einmal Karl May's "Durch das Land der Skipetaren" gelesen hat, weckt das Abenteuerlust.

Nach meinem stürmischen Segelabenteuer auf der Yacht Serengeti war ich entschlossen, das Abenteuer in  Shqiperia als Backpackerin fortzusetzen. Bei strömendem Regen legten wir am Hafen von Durres an einem alten Reifen an. Einige mehrköpfige Delegationen  verschiedener Behörden kamen nacheinander an Bord, die Bürokratie war in vollem Gange. Nach einigem hin und her bekam ich das Einreisevisum für Euro 10,-- . Im Hotel Ali Baba gleich hinterm Hafen sprach man italienisch und das Zimmer um Euro 20,00 war einwandfrei.

Durres ist die größte und wichtigste Hafenstadt Albaniens, von wo aus man mit der Fähre nach Bari, Triest, Venedig etc. gelangt. Rege Bautätigkeit zeugt vom stattgefundenen Aufbruch, das strahlen auch die vielen jungen, sehr modern gekleideten Menschen aus. An der geschäftigen Hauptstrasse sind viele schicke Geschäfte und Cafes, wo man vorzüglichen italienischen Espresso um 20 Cent trinkt. Die Währung ist der Lek,ca.137 für einen Euro, der als Zahlungsmittel überall willkommen ist.    

Wenn man allerdings um die Ecke biegt, kann man schon einmal eine angebundene Kuh oder eine Henne mit Kücken sehen. Auch erfordert es einiges Geschick nach dem Regen, über die Pfützen zu springen. Für archäologisch Interessierte gibt es ein römisches Kastell.

Straßenkarten oder Reisehandbücher gab es nicht  zu kaufen, die einzige Informationsquelle sind das Internetcafe und geduldiges Fragen, mit Englisch und Italienisch kommt man gut durch.

Mein nächstes Ziel war Gjirokaster im Süden Albaniens. Mit einem Minibus war ich 5 Stunden unterwegs, diese sind schneller und ein wenig teurer als die Überlandbusse, das Busnetz ist sehr effizient. Die Fahrt geht südlich durch flaches Agrarland (es werden Oliven, Wein, Obst und Getreide kultiviert), nach Fier

wird es hügeliger und man sieht bereits die Bergketten in der Ferne. In diesem grünen Hügelland liegt das Zentrum der Petrochemie, wovon die vielen rostigen Bohrtürme und der Geruch Zeuge sind.  Auf der kurvenreichen, von vielen Grabsteinen gesäumten  Straße geht es auf eine von Gebirge gesäumte pittoreske  Hochebene. Die auf einem Felsen thronende imposante Festung Gjirokaster aus der Türkenzeit  ist von weitem sichtbar. Das Panorama dieser Stadt ist atemberaubend unter dem Blau des Himmels, dem Grün der Matten umrahmt vom Grau und Weiß der felsigen Berggipfel. Die traditionelle Steinarchitektur dieser Stadt  fügt sich perfekt in diesen Rahmen. In kommunistischen Zeiten ein Zentrum der Elite mit einigen großen Hotels, harrt dieses Juwel einer neuerlichen Entdeckung. In den Zimmerfluchten des Hotel Cajupa mit Dachterrasse fühlte ich mich etwas verloren, hatte Mühe den italienischsprechenden, sehr hilfreichen und informativen Besitzer zu finden.   

Nach ca. zweistündiger Fahrt gelangt man über eine Passhöhe durch Eichenwälder zur Küste nach Sarande, der Hafenstadt im Süden Albaniens, wo es 3mal täglich eine Fähre nach Korfu und Igoumenitsa gibt. Es ist ein angehendes Touristenzentrum mit einer von Hotelneubauten gesäumten Uferpromenade vor einem von unzähligen Baustellen gespickten Hang.

Ich habe mich als einzige Touristin im Land gefühlt, aber auf der Fähre nach Korfu gab es dann doch ein paar andere, einer davon ein exotischer Backpacker aus Malaysia!

Albanien ist das Land mit der größten Dichte von Mercedes-Benz, was daher kommt, das in kommunistischen Zeiten private PKW nur der Regierung gestattet waren und diese ausschließlich im Mercedes unterwegs waren. Diese Vorliebe ist manifest geblieben.

 

Es war nur ein kurzer improvisierter Streifzug, der jedoch so interessant war, dass ich bei Gelegenheit mehr vom Land des Adlers entdecken möchte.

 

Bericht von Rosi Ditz - Crew der SY Serengeti, Mai 2004

 

 

 Reise- und Landesinformationen zu Albanien (Englisch)

Albanien-Info (Englisch)

Wetter in Albanien

 

 

 Segeln in Albanien - ein Reisebericht von Rosi Ditz und Anton Bozic

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