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ANTARKTIS
und KAP HOORN Ein Segel-Bericht von Ulrike Hössl
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Zwei
Jahre ist es her, dass ich beschloss, um Kap Hoorn zu segeln. Anlass
sollte mein 50. Geburtstag sein. Aber wie? Recherchen im Internet
ergaben, dass es Leute gibt, die in diesem Gebiet regelmäßig segeln
und Gäste mitnehmen. Schließlich buchte ich bei der Firma Am
22.01.07 war es soweit. Am Treffpunkt begann das Abenteuer. Die
„Steganlage“ spricht für sich.
Nach
mehrmaligem Hin- und Herfahren und Klettertour war es vollbracht, wir (Gäste)
und unser Gepäck waren an Bord. Nach Begrüßungsrede und Einführung
richteten wir uns auf dem Schiff ein und warteten gespannt auf die
Dinge, die weiter passieren sollten. Um
16.30 war es endlich soweit, Leinen
los, Richtung Süden. Der
Anblick, der sich uns bot, nachdem wir die Bucht von Ushuaia (Fin del
Mondo) verlassen hatten, versprach einiges. Am rechten (Chile) und am
linken Ufer (Argentinien) des Beaglekanals türmen sich die Ausläufer
der Anden auf.
Nach etwa 6 Std. erreichten wir die Ankerbucht für
die Nacht. Am nächsten Morgen weiter Richtung Südshetlandinseln. Nach
vier Tagen, ohne einem anderem Schiff begegnet zu sein und dem Gefühl
ganz allein zu sein, erreichten wir Livingston-Island. Jetzt waren wir
in der Antarktis! Nach Ankermanöver und Klarmachen des Dingis setzten
wir auf die Insel über. Die Anlandung war etwas nass, wie alle
nachfolgenden Anlandungen auch. Nachdem wir (fast alle älter als 50
Jahre), wie die „Gazellen“ aus
unserem Gummiboot gesprungen waren, fanden wir uns mitten unter
Pinguinen wieder. Der Anblick der Pinguine (ca. 7000 auf der Insel) löste
große Freude und Erstaunen aus. Die „Bewohner der Antarktis“ stellten sich als
sehr rege und geschäftige Leute heraus. Die putzigen Kerlchen zeigten
wenn wenig Scheu und rannten ihren Weg einfach weiter. Die Tierwelt auf dieser Insel war sehr
beeindruckend, in keinem Zoo der Welt kann man sie so nah beobachten.
Am nächsten Morgen zeigte die Antarktis, was sie
auch im Sommer kann: Wir hatten Schneeregen und es war bitterkalt. Während
der Fahrt zur nächsten Insel war es an Deck äußerst unangenehm,
trotzdem harrten wir aus und wurden belohnt durch den Anblick von Walen,
imposanten Formen von Eisbergen und verschiedene Arten von Robben. Die Eisberge hatten es uns angetan, also lag es
nahe, einen zu besteigen.
Unser Skipper setzte den Bugkorb in einen Spalt von
so einem Giganten und wir konnten übersteigen. Dieses Gefühl auf einem
schwimmenden Eisberg zu stehen, die leichte Bewegung durch die Dünung
zu spüren, in direkter Nachbarschaft mit Robben zu sein, die auch auf
dem Eisberg lagen, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Es ist etwas sehr
Außergewöhnliches. Nach einem Besuch auf der chilenischen
Forschungsstation ging es weiter zur Ankerbucht für die Nacht. Leider
war die Bucht schon besetzt, so dass wir einen anderen Platz suchen mussten.
Unser Ankerplatz war nicht optimal, und als
in der Nacht der Wind
auffrischte, zog unser Skipper es vor weiterzufahren. Wir hatten ca. 5-6
Bft und konnten Segel setzen. Das Panorama im La Maire Kanal war
atemberaubend. Die Berge rechts und links waren mächtig und mit Eis überzogen.
Selbst das große Kreuzfahrtschiff, welches uns entgegen kam, sah in
dieser Landschaft klein aus.
Nachdem wir am südlichsten Punkt unserer Reise
angekommen waren (65°15’ S
64°15’ W) wurde das Schiff vertäut, das Dingi wieder klar
gemacht und wir setzten zur Forschungsstation der Ukrainer über.
Nachdem uns die Station gezeigt worden war, begann der lustige Teil des
Abends, Wodkatrinken. Unsere Gastgeber waren äußerst großzügig mit
dem Stoff, sie destillieren ihren Wodka vor Ort aus reinen
Inhaltsstoffen und nur mit Gletscherwasser. Über Geschmack soll man
nicht streiten. Nach diesem Abend brauchten die Crew und die Gäste
einen Tag Ruhe. Am folgenden Tag liefen wir die Station der
Amerikaner an, Palmer-Station.
Es war die größte und komfortabelste Station, die
wir besucht haben. Technisch hochgerüstet, war es sogar möglich,
abends eine Live-Übertragung des amerikanischen Superballs
mitzuerleben. Die folgenden Tage verbrachten wir mit Besuchen
unserer speziellen Freunde, den Pinguinen, und mit Fotografieren von
Eisbergen, Robben, Walen und Seevögeln. Begegnungen mit Walen waren immer ein besonderes
Erlebnis. Es sind majestätische Tiere.
Je weiter wir nach Norden kamen, desto windiger wurde es. In einer geschützten Ankerbucht des Melchiorarchipels trafen wir dann die Vorbereitungen für die Drakepassage, wie z.B. nochmals Wasserbunkern und Brotbacken. Der Wetterbericht hörte sich nicht so gut an, es war Sturm angesagt. Nachdem wir die geschützte Bucht verlassen hatten, begann die Schaukelei und Krängung des Schiffs.
Dieser Zustand sollte in den nächsten 5 Tagen so
bleiben. Der Wind wurde immer heftiger, je weiter wir nach Nordwesten
kamen, Richtung Kap Hoorn. In der Nacht des dritten Tages auf der
Drakepassage hatten wir einen ausgewachsenen Orkan, die höchste
Windgeschwindigkeit, die wir am Windmesser abgelesen haben, betrug 77
kn. Entschädigt für diese raue und ungemütliche Überfahrt
wurden wir dann durch den Anblick von Kap Hoorn
Es ist schon ein tolles Gefühl, einmal den Mythos
Kap Hoorn selbst erlebt zu haben. Nachdem wir am folgenden Tag in Chile einklariert
hatten, nutzten wir die Zeit für einen Landgang in Port Williams. Nach
dem Ausklarieren ging es zurück Richtung Ushuaia, wo wir spätabends
ankamen. Am nächsten morgen hieß es Abschied nehmen: vom Schiff, von
der Crew und den Mitreisenden, die in der Zwischenzeit zu Freunden
geworden waren Eine tolle, beeindruckende Reise ging zu Ende - nur
die Eindrücke waren noch lange nicht sortiert und schon gar nicht
seelisch verarbeitet. © Adriatic Sailing & Tours,
mit freundlicher Genehmigung von Ulrike Hössl |
© Adriatic Sailing & Tours