ANTARKTIS und KAP HOORN

Ein Segel-Bericht von Ulrike Hössl

 

 

<<retour<<

 

 

Anfrage/Buchung

Impressum

Mail

Home

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Änderungen und Irrtümer vorbehalten

Haftungsausschluss / Disclaimer

 

 Man gönnt sich ja sonst nichts!

 

Zwei Jahre ist es her, dass ich beschloss, um Kap Hoorn zu segeln. Anlass sollte mein 50. Geburtstag sein. Aber wie? Recherchen im Internet ergaben, dass es Leute gibt, die in diesem Gebiet regelmäßig segeln und Gäste mitnehmen. Schließlich buchte ich bei der Firma Adriatic Sailing & Tours aus Wien (www.adriasail.at ) meine Reise. Herausgekommen ist ein vierwöchiger Törn in die Antarktis inklusive Besuch von  Kap Hoorn.

Am 22.01.07 war es soweit. Am Treffpunkt begann das Abenteuer. Die „Steganlage“ spricht für sich.

 

 Unser Schiff lag draußen in der Bucht an einer Ankerboje, das bedeutete, das Gepäck von sieben Leuten und die Leute selbst mit dem Dingi zum Schiff schaffen.

Nach mehrmaligem Hin- und Herfahren und Klettertour war es vollbracht, wir (Gäste) und unser Gepäck waren an Bord. Nach Begrüßungsrede und Einführung richteten wir uns auf dem Schiff ein und warteten gespannt auf die Dinge, die weiter passieren sollten.

Um 16.30 war es endlich soweit, Leinen  los, Richtung Süden.

Der Anblick, der sich uns bot, nachdem wir die Bucht von Ushuaia (Fin del Mondo) verlassen hatten, versprach einiges. Am rechten (Chile) und am linken Ufer (Argentinien) des Beaglekanals türmen sich die Ausläufer der Anden auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach etwa 6 Std. erreichten wir die Ankerbucht für die Nacht. Am nächsten Morgen weiter Richtung Südshetlandinseln. Nach vier Tagen, ohne einem anderem Schiff begegnet zu sein und dem Gefühl ganz allein zu sein, erreichten wir Livingston-Island. Jetzt waren wir in der Antarktis! Nach Ankermanöver und Klarmachen des Dingis setzten wir auf die Insel über. Die Anlandung war etwas nass, wie alle nachfolgenden Anlandungen auch. Nachdem wir (fast alle älter als 50 Jahre), wie die „Gazellen“  aus unserem Gummiboot gesprungen waren, fanden wir uns mitten unter Pinguinen wieder. Der Anblick der Pinguine (ca. 7000 auf der Insel) löste große Freude und Erstaunen aus.

Die „Bewohner der Antarktis“ stellten sich als sehr rege und geschäftige Leute heraus. Die putzigen Kerlchen zeigten wenn wenig Scheu und rannten ihren Weg einfach weiter.

Die Tierwelt auf dieser Insel war sehr beeindruckend, in keinem Zoo der Welt kann man sie so nah beobachten.

      

 Nach einer kleinen Inselwanderung und ausgiebigem Staunen ging es mit dem Dingi zurück zum Schiff. In der Nacht lichteten wir den Anker und fuhren zur nächsten Insel, Deception Island. Frage unseres Skippers: „Habt ihr Badezeug mit?“ Bei einer Wassertemperatur von ca. 1° C  kam diese Frage für uns etwas überraschend. Auf Deception Island sollten wir feststellen, dass es möglich ist im Südpolarmeer zu baden. Das Wasser aus der Erde ist so heiß, dass man es kaum anfassen kann, gemischt mit dem eiskalten Wasser des Südpolarmeeres ergibt es die ideale Badewannentemperatur.

 

                 

 Auch die Walfänger aus vergangenen Zeiten wussten die Vorzüge dieses Kraters zu schätzen.

       

 Hier sieht es aus, wie in einer anderen Welt.

 Mittags ging es weiter. Wir haben ca. 100 sm vor der Brust und Flaute, d.h. motorten. Nach einem Tag erreichten wir Enterprice Bay mit einem Panorama wie im Märchen.

 

 Wir lagen längsseits an einem verrottetem, halbgesunkenem Walfänger, rund um uns herum Felsen mit Gletschern überzogen. Man hörte das Geschrei der Seeschwalben und das Knacken vom Gletscher. Hier sollte der Wassertank wieder aufgefüllt werden; wir haben seit ca. zwei Tagen kein Frischwasser mehr. Die Aktion lief folgendermaßen ab: Dingi klarmachen, ans andere Ufer übersetzen, Schmelzwasser auf dem Gletscher suchen, Trichter mit langem Schlauch befestigen und laufen lassen. Die Füllung zog sich den ganzen Tag hin, also blieben wir zwei Tage hier. Zwischenzeitlich bekamen wir Besuch von Thies Matzen und seiner Frau Kicki, denen als Weltenbummler dieser lauschige Platz selbstverständlich bekannt war. Der Höhepunkt dieser zwei Tage war ohne Zweifel die Fotosafari mit dem Dingi. Eisberge und Robben standen auf dem Programm. Die Größe der Eisberge war aus dem kleinen Dingi noch beeindruckender als vom Schiff.

 

Am nächsten Morgen zeigte die Antarktis, was sie auch im Sommer kann: Wir hatten Schneeregen und es war bitterkalt. Während der Fahrt zur nächsten Insel war es an Deck äußerst unangenehm, trotzdem harrten wir aus und wurden belohnt durch den Anblick von Walen, imposanten Formen von Eisbergen und verschiedene Arten von Robben.

Die Eisberge hatten es uns angetan, also lag es nahe, einen zu besteigen.

Unser Skipper setzte den Bugkorb in einen Spalt von so einem Giganten und wir konnten übersteigen. Dieses Gefühl auf einem schwimmenden Eisberg zu stehen, die leichte Bewegung durch die Dünung zu spüren, in direkter Nachbarschaft mit Robben zu sein, die auch auf dem Eisberg lagen, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Es ist etwas sehr Außergewöhnliches.

Nach einem Besuch auf der chilenischen Forschungsstation ging es weiter zur Ankerbucht für die Nacht. Leider war die Bucht schon besetzt, so dass wir einen anderen Platz suchen mussten. Unser Ankerplatz war nicht optimal, und als  in der Nacht der  Wind auffrischte, zog unser Skipper es vor weiterzufahren. Wir hatten ca. 5-6 Bft und konnten Segel setzen. Das Panorama im La Maire Kanal war atemberaubend. Die Berge rechts und links waren mächtig und mit Eis überzogen. Selbst das große Kreuzfahrtschiff, welches uns entgegen kam, sah in dieser Landschaft klein aus.

Nachdem wir am südlichsten Punkt unserer Reise angekommen waren (65°15’ S   64°15’ W)

wurde das Schiff vertäut, das Dingi wieder klar gemacht und wir setzten zur Forschungsstation der Ukrainer über. Nachdem uns die Station gezeigt worden war, begann der lustige Teil des Abends, Wodkatrinken. Unsere Gastgeber waren äußerst großzügig mit dem Stoff, sie destillieren ihren Wodka vor Ort aus reinen Inhaltsstoffen und nur mit Gletscherwasser. Über Geschmack soll man nicht streiten. Nach diesem Abend brauchten die Crew und die Gäste einen Tag Ruhe.

Am folgenden Tag liefen wir die Station der Amerikaner an, Palmer-Station.

Es war die größte und komfortabelste Station, die wir besucht haben. Technisch hochgerüstet, war es sogar möglich, abends eine Live-Übertragung des amerikanischen Superballs mitzuerleben.

Die folgenden Tage verbrachten wir mit Besuchen unserer speziellen Freunde, den Pinguinen, und mit Fotografieren von Eisbergen, Robben, Walen und Seevögeln.

Begegnungen mit Walen waren immer ein besonderes Erlebnis. Es sind majestätische Tiere.

                                 

Je weiter wir nach Norden kamen, desto windiger wurde es. In einer geschützten Ankerbucht des Melchiorarchipels trafen wir dann die Vorbereitungen für die Drakepassage, wie z.B. nochmals Wasserbunkern und Brotbacken. Der Wetterbericht hörte sich nicht so gut an, es war Sturm angesagt. Nachdem wir die geschützte Bucht verlassen hatten, begann die Schaukelei und Krängung des Schiffs. 

Dieser Zustand sollte in den nächsten 5 Tagen so bleiben. Der Wind wurde immer heftiger, je weiter wir nach Nordwesten kamen, Richtung Kap Hoorn. In der Nacht des dritten Tages auf der Drakepassage hatten wir einen ausgewachsenen Orkan, die höchste Windgeschwindigkeit, die wir am Windmesser abgelesen haben, betrug 77 kn.

Entschädigt für diese raue und ungemütliche Überfahrt wurden wir dann durch den Anblick von Kap Hoorn

 

 Einer meiner größten Wünsche ging in Erfüllung, wir konnten auf Kap Hoorn anlanden und die Insel mit ihrem berühmten Leuchtturm und dem Albatrosdenkmal besuchen.

    

Es ist schon ein tolles Gefühl, einmal den Mythos Kap Hoorn selbst erlebt zu haben.

Nachdem wir am folgenden Tag in Chile einklariert hatten, nutzten wir die Zeit für einen Landgang in Port Williams. Nach dem Ausklarieren ging es zurück Richtung Ushuaia, wo wir spätabends ankamen. Am nächsten morgen hieß es Abschied nehmen: vom Schiff, von der Crew und den Mitreisenden, die in der Zwischenzeit zu Freunden geworden waren .

Eine tolle, beeindruckende Reise ging zu Ende - nur die Eindrücke waren noch lange nicht sortiert und schon gar nicht seelisch verarbeitet.

   

© Adriatic Sailing & Tours, mit freundlicher Genehmigung von Ulrike Hössl

 www.adriasail.at

^^TOP^^

© Adriatic Sailing & Tours