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27.
Juni bis 18. Juli 1998
Malta - Straße von
Messina - Liparische Inseln - Ischia - Capri - Pontinische Inseln -
NE-Sardinien
- Bonifacio - Bastia - Cap Corse - Monaco - Nizza
1.122
Seemeilen

Eines Abends, nach einem guten Essen, saß ich mit meinem
Freund Toni und mit meiner Frau bei einem (oder mehreren) guten Glas Wein und
wir redeten natürlich übers Segeln, als Toni spontan auf einmal sagte: Du
musst mir noch einen schönen und interessanten Törnbericht schreiben für
meine Homepage. Ich antwortete sofort, warum ich? du bist doch der Weltumsegler,
und ich mit meinen bescheidenen 16.000 Meilen soll einen Törnbericht schreiben?
Also gut, ich habe mich dann breitschlagen lassen nachdem er
meinte, ich als Pensionär hätte doch mehr Zeit zur Verfügung als er.
Nach sorgfältigen Recherchen in meinen Logbüchern habe ich
den folgenden Törn ausgewählt. Ich möchte vorausschicken, es war der Törn,
auf dem ich Toni als Skipper kennen lernte und mit dem mich seit damals eine
sehr herzliche Freundschaft verbindet. Auch mit vielen anderen Leuten, die ich
beim Segeln kennen lernte habe ich seit Jahren engen Kontakt. Die von vielen
vorgefasste Meinung, dass auf See viele Freundschaften verloren gehen, kann ich
nicht teilen, ich habe viele Freunde gewonnen. Aber nun zum Törnbericht.
Die erste Etappe startete in Malta in der Creek Marina in
Valetta. Das Schiff ist eine Sunshine 38, der Skipper und Eigner heißt Toni. Die Crew setzt sich zusammen aus einem noch sehr jungen und verliebten
Pärchen aus Wien, einem Ehepaar in mittleren Jahren aus Wels und meiner Person.
Toni hat uns alle am Samstag abends an Bord begrüßen können und wir
beschlossen gleich Sonntag morgens abzulegen, denn es war schon Ende Juni und
unerträglich heiß in Valetta. Zum Abendessen haben wir uns ein nettes
Restaurant gesucht und auch gefunden, anschließend ein Stadtrundgang und auf
die Burg. Nach Mitternacht war es dann schon nicht mehr ganz so heiß, so dass
wir nun auch ans Schlafen denken konnten.
Am Sonntag um 1100 war es dann soweit, das befreiende
"Leinen los" Ruder hart backbord, etwas Gas und der Bug
dreht sich nach steuerbord. Na ja ? kurze Ratlosigkeit, dann funkt es,
was war passiert? Toni hat während des Aufenthalts auf Malta einige kleine Reparaturen machen lassen,
unter anderem war auch an der Ruderanlage etwas gemacht worden und die
Steuerkette war falsch montiert ( nicht gekreuzt ) Was tun, kurze Diskussion,
Toni entscheidet, wir fahren ab und richten die Kette in Syrakus. Zuerst war das
Steuern schon ziemlich gewöhnungsbedürftig, nach backbord drehen und nach
steuerbord fahren, da muss man eben wie mit der
Pinne steuern, aber die hatte ich schon seit einigen Jahren nicht mehr in der
Hand gehabt. Mit wenig bis keinem Wind segeln wir an Gozo vorbei und machen am
Montag um 1250 in Syrakus fest.
Super Garnelen zu Mittag gespeist erhalten
unsere gute Laune und machen uns fit für den Lebensmitteleinkauf, der etwas
anstrengend war, die Geschäfte weit weg und das Mineral ist schwer, aber das wisst
ihr ja selbst auch. Toni richtet inzwischen die Steuerung und am Dienstag
um 0800 geht's ab mit neuem Steuergefühl Richtung Strasse von Messina. Zwischen
Riposto und Taormina sind Fischernetze meilenweit von der Küste weg
ausgebracht, in der Nacht schwer erkennbar, teilweise unbeleuchtet und oft erst
unmittelbar vor dem Boot eine tänzelnde rote Laterne, dazu noch die Schwertfischfischer, bei
denen man stets mit spontanen Kursänderungen rechnen muss. es war zweifellos eine
spannende nächtliche Navigationsaufgabe. Wegen der windlosen Überfahrt müssen
wir in Catania unseren Dieseltank wieder auffüllen und weiter geht`s Richtung
Strasse von Messina. An backbord kann man den leicht rauchenden Ätna gut
erkennen.

Nach der interessanten Passage der Enge von Messina, mindestens ein
Dutzend Fähren kreuzte unseren Kurs, kreierte ich ein Spezialfrühstück für
Toni und für mich, das wir nach der durchwachten Nacht richtig genossen hatten.
Die restliche Crew war noch im Bett. Mit einem Kurs von 290° und Wind aus SW
konnten wir unser nächstes Ziel, die Liparischen Inseln, gut anliegen. Bereits
seit Stunden sahen wir an der Küste von Catania großflächige Lichtzeichen,
die aussahen wie Neonreklame die sich ständig zu verändern schien, es waren
riesige Waldbrände, schaurig schön anzusehen aber furchtbar für die
Betroffenen, viele Häuser und Gehöfte waren in Gefahr und mussten evakuiert
werden. Später konnten wir beobachten wie Löschflugzeuge wie Kormorane
niederstießen auf die Wasseroberfläche, sich voll saugten und binnen Minuten in
die Brände am Berg wieder abluden. Am Mittwoch um 1505 konnten wir in Lipari
Hafen den Anker fallen lassen. Den Nachmittag verbrachten wir in einer Badebucht und
wir hatten viel Spaß und der Schmäh lief, denn die Crew hatte sich inzwischen
gut kennen gelernt.
Da war einmal Renate, eine ganz liebe, gescheite und sehr
hilfsbereite junge Frau und ihr Freund Bernhard, beide begeisterte Bergsteiger
und das erste Mal auf einem Segeltörn, dann die beiden Welser Ewald und
Elisabeth, genannt Sissi, beide erfahrene Windsurfer, aber auch das erste Mal
auf einem Segelschiff. Ewald ein Bodybuilder wie im Bilderbuch hatte Kräfte wie
ein Kran, wenn ich z. B. es nicht mehr schaffte die Schot mit der Winsch noch
dichter zu holen, zog Ewald mit einer Hand noch einen halben Meter nach.
Sissi, eine sehr hübsche, initiative und resolute Lady ist gelernte
Fleischhauerin, fuhr auch mit Fernlaster durch ganz Europa und arbeitet derzeit
in einem Architekturbüro, sie hat auch Architektur studiert. Für uns ist ihre
wichtigste Qualität jedoch eine andere, denn nachdem sie uns bei unseren jämmerlichen Kochversuchen
misstrauisch beobachtet hatte, sagte sie
trocken und spontan: "Ich koche" und ab nun wurden wir bis zum Törnende
täglich mit Köstlichkeiten aus Sissi`s Kombüse verwöhnt. Ich habe bis dato nicht gedacht, dass es möglich
ist, auf einem so kleinen Segelschiff solch aufwändige Mahlzeiten zu
produzieren. At last but not least, ich bin Ernesto, ein Textileinkäufer, die ganze Welt beruflich schon bereist und ein paar Jahre vor der Pension. Ich habe
keine besonderen Fähigkeiten, jedoch schon etliche tausend Meilen hinter mir
und auch öst. B-Schein Inhaber, also wurde ich zum Co. Skipper
ernannt und ich kümmere mich um die Seemannschaft und kleine Reparaturen, die
mit Bordmitteln möglich sind.
Donnerstag 0903 Leinen los, unser nächstes Ziel ist Capri 150
Meilen, damit wir den Stromboli nachts passieren bleiben wir noch in einer Bucht
auf Vulcano bis 14Uhr. Der Wind kommt aus NNW mit 5Bft. - Kreuzen ist angesagt. Um
2330 passieren wir Stromboli, ein herrliches Bild wie alle 4-5 Minuten der
Leuchtturm des Odysseus sein Feuer speit, das aussieht wie ein riesiges Fenster
in quadratischer Form.

Wir ändern den Kurs auf 355° Wir kämpfen um jeden
Meter Höhe um Capri ohne Kreuz erreichen zu können. Gegen 0315 raumt der Wind und wir ereichen Capri bequem am Samstag um
0430 früh, der Hafen ist
überfüllt, wir legen bei der Tankstelle an und müssen am Morgen wieder weg.
Wir umrunden die Insel, sehen uns die berühmten blauen Grotten an und sind um
15 Uhr wieder im Hafen, wo uns ein Platz in dritter Spur zugewiesen wird.
Den wohl einzigartigen Ort, der hoch über den Felsen thront und wo alle
Luxusläden dieser Welt vertreten sind, habe ich leider erst bei einem späteren
Törn gesehen. Renate und Bernhard gehen hier von Bord, sie müssen leider nach
Hause, da ihr Urlaub zu Ende ist. Einen kleinen Morgenschock beschert uns der
Marinero mit einer Rechnung von knapp hundert Euro für eine Nacht.
Wir segeln bis Ischia und besichtigen den Ort. Am Montag ist
ein harter Tag . Für die 25 Meilen zu der Insel Ventotene benötigen wir
fast 9 Stunden bei 6Bf. auf der Kreuz. Ankunft um 2215 , wir ankern frei vor der
Burg. Am nächsten Tag besichtigen wir den alten Galeerenhafen, der in jahrelanger Arbeit von
Sträflingen in Handarbeit buchstäblich aus dem Lehm gegraben wurde und gegenüber die Gefängnisinsel St. Stefano.
Dienstag 1230 Leinen los nach Ponza. 1645 an. Wir ankern frei vor dem Castell,
hinter uns ragen riesige Felsskulpturen aus dem Meer, ein traumhaft schöner
Platz.
Mittwoch 08 Juli ist Hafentag, 9Bft. sind angesagt, das
brauchen wir nicht unbedingt auf unserem nächsten Schlag, etwa 200
Meilen nach NE Sardinien. Donnerstag um 0230 ich wache auf-
hektisches Treiben herrscht am Ankerplatz - es bläst mit 7-8 Bft vom Berg herab
-
viele Anker schlieren - Schiffe kommen nahe an uns heran - auch wir sind schon
bedenklich nah zu den Felsen abgetrieben - Toni entscheidet, nichts wie raus -
Anker auf und weg aus diesem gefährlichen Bereich. Mit Respektsabstand runden
wir die Felsfiguren an steuerbord und nehmen Kurs Richtung Strasse von Bonifacio.
Nach 36 Stunden bei moderatem Wind nähern wir uns
der berüchtigten Starkwind Strasse , diese begrüßt uns sehr unfreundlich mit 35 Kn.
genau aus West. Toni entscheidet Wende und neuer Kurs 230 Grad nach P. Rotondo,
wo wir nach weiteren 8 Stunden hart am Wind im Millionärshafen (120 Euro
für eine Nacht) festgemacht sind. Kurz vor der Wende, beim Anlegen des
Lifebelts habe ich den Stiel von Toni`s geliebter Bratpfanne mit einem
Haltegriff verwechselt und abgebrochen, ich musste in Bonifacio eine neue kaufen
(war eh schon höchste Zeit). Später hat Toni meinen Lieblingsspruch in die neue
Pfanne graviert " uns geht`s gut und wir ham`s
schön"
Samstag Nachmittag verlassen wir diesen fast zu perfekt
gestylten Ort und segeln durch die herrliche Inselwelt vor der Costa Smeralda und das
Maddalena Archipel. Wir genießen das Schwimmen im glasklaren Wasser und
bleiben in der Cala Spalmatore über Nacht. Nach einer herrlichen Kreuz bei 6
Bft. erreichen wir das traumhafte Bonifacio am Sonntag um
1300 Uhr. Hoch oben innerhalb der Burgmauern liegt dieser kleine Ort mit
unzähligen kleinen Restaurants mit Blick übers Meer bis Sardinien und auf der
anderen Seite genau so schön der Blick auf den einzigartigen Naturhafen. Hier
habe ich viel mit Toni philosophiert und die eine und auch die andere Flasche
Beaujolais getrunken. Ich glaube hier hat Toni einen Entschluss gefasst, aber
darauf werde ich später noch zurückkommen.
Schweren Herzens lösen wir die Leinen am nächsten Tag und
segeln nach Osten zurück, wir besuchen die Naturschutzinsel Lavezzi mit dem Seemannsfriedhof und den gigantischen Felsskulpturen die auf Sandboden
stehen, in der Cala de Creco bleiben wir über Nacht. Dienstag 0932 Anker auf -
NW 5-6 Bft - unser Wunschkurs ist Nord - Na ja alles klar wieder hart daran -
2030 der Wind dreht weiter nach Nord - Ewald und ich
kreuzen die ganze Nacht, aber es hat Spaß gemacht. Für die letzten paar Meilen
setzen wir die eiserne Genua und motoren gegenan nach Bastia. Ankunft am Mittwoch um
1325. Tanken und bunkern ist angesagt, ansonsten gibt es nichts sehenswertes in
Bastia.
Letzter Schlag: Bastia - Cap-Corse - Nizza
- 170 Meilen. Der
Wind passt ganz genau und wir schaffen 9 Knoten mit dem 3. Reff
- eine super Überfahrt - Ankunft in Nizza Freitag um 1030. Nizza hat für die
Serengeti keinen Liegeplatz und wir verholen uns 5 Meilen südwestlich nach
St. Laurent.
Die Logge zeigt 1122 Sm gesamt
Toni hat wohl auf diesem Törn den Entschluss gefasst weiter über den
Atlantik und um die Welt zu segeln, was er dann auch getan hat. Für mich war es
leider noch zu früh, ich musste noch zwei Jahre arbeiten. Ich nahm noch einen Leihwagen und besichtigte
drei Tage lang die schönen
Plätze an der Cote Azur. Die Welser
gingen zu Fuß zum Bahnhof, da die Taxi in Frankreich sehr teuer sind. Toni flog nach Hause und die Serengeti blieb
zwei Wochen in St. Laurent gut gesichert und vertäut und wartete darauf ihren
Skipper um die Welt zu führen.
Ernest Käferböck,
Wien

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