HURRIKAN-SISSY

und die Begegnung mit EMILY

 

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Der authentische Segelbericht von

Elisabeth (Sissy) Aigner - alias "Hurrikan-Sissy"

Katamaransegeln in der Karibik - von Martinique zu den Grenadinen und retour.

Von Hurrikan "Emily" in der Tyrell Bay auf Carriacou voll erwischt - aber überlebt!

Juli 2005

 

*****

 

Die Crew: Bekannte aus dem YCA-Segel-Stammtisch, mein Partner und ich. Wir flogen am 1.Juli 2005 in die Karibik, nach Martinique. Ein gecharterter Katamaran, Athena 38´ von Fountaine Pajot, war für die nächsten drei Wochen unser zu Hause.

Ich freute mich ein ganzes Jahr auf diesen Törn und sammelte fleißig wie ein Eichhörnchen Informationen, Reiseberichte, Routenvorschläge, Highlights an Sehenswürdigkeiten, Hafenhandbücher etc.

Mit technischen Mitteln, wie GPS, Navtex, Wetterstationen mit Barograph, mobilen Funkgeräten, Fernglas mit Peilkompaß, Elektromultimeter und ähnlichem versuchte mein Partner die Risiken zu minimieren.

Sonntag, 10. Juli, auf Bequia in der Admiralty Bay

07.00 Uhr, Frühstück, ein Blick auf’s Navtexgerät und die tägliche Aufzeichnung der Wettervorhersagen via Radio informierten uns über einen tropischen Sturm auf dem Atlantik.

 

Montag, 11. Juli, in Canouan in der Charlestown Bay

Unbehagen verbreitet sich in den Gesichtern nach dem Check der Navtexnachricht, denn der tropische Sturm hat das Potential zu einem Hurrikan.

Dienstag,12. Juli,in den Tobago Cays

Nun ist es gewiss, der tropische Sturm ist zum Hurrikan „EMILY“ herangewachsen. Nach kurzem Überfliegen der Nachricht ist klar, dass sich der Hurrikan mit ca. 18 Kn Reisegeschwindigkeit geradewegs auf uns zu bewegt. Bleiche und Anspannung zeigt sich in vielen Gesichtern der Crewmitglieder.

Zuerst versuchen wir (mein Partner und ich) die Gedanken zu ordnen. Keine Zeit für die Naturschönheiten der Tobago Cays, sondern Vorbereitung auf den Hurrikan ist unsere Devise.

Wo sind die nächstliegenden Hurrikan Holes? Bücher, Pläne und Seekarten werden studiert. Wie groß ist das Zeitfenster bis zum Eintreffen des Hurrikans? Fragen über Fragen.

Hastig füllt mein Partner Wasserkanister mit triefend nassem Sand, sie dienen als Reitgewichte an Haupt- und Reserveanker. Bald warnen uns auch die fliegenden Händler vor „Emily“, bieten aber keine konkreten Ausweichziele an. Kurzerhand beschließen wir, uns nach Union Island zur Bucht Clifton Harbour zu verholen.

Gut verankert und einige Stunden später, zeigte mir ein netter Franzose, sogar mit Seekartenunterstützung, das Hurrikan Hole „Tyrell Bay“ auf Carriacou. Es gilt bei Kennern der Gegend als Geheimtipp im Bereich der Grenadinen und es ist interessanterweise in keinem unserer Hafenhandbücher als Hurrikan Hole auffindbar.

 

Mittwoch, 13. Juli, auf Union Isand

06.00 Uhr, Tagwache:

Heute Morgen war es hektisch. Wir wollen so bald wie möglich in die Tyrell Bay, um uns einen umschlossenen Liegeplatz zu sichern. Vom selben Gedanken wurden offensichtlich auch andere geleitet, denn eine Menge Boote bewegten sich mit annähernd Höchstgeschwindigkeit auf die Hafeneinfahrt zu. Im Inneren der Bay angekommen, vermurrten wir uns mit zwei Bugankern (mit den gebastelten Reitgewichten) und vertäuten uns so oft uns so gut es ging V-förmig in dem am Heck angrenzenden Mangrovendickicht.

Nicht so einfach mit den Mitteln einer  Charterjacht. Das Sonnensegel wurde entfernt, das Beiboot zwischen den Rümpfen befestigt, die Genua mehrmals umwickelt und zusätzlich die Taue, trotz belegter Klemmen, nochmals gesichert. Es herrschte absolute Windstille und wir versuchten noch etwas Ruhe zu finden.

Um 21.30 Uhr schüttelten die Athena die ersten Böen. Kurze Zeit später flogen Äste und der Wind drängte sie 3 bis 4 Meter in die Mangroven zurück. Der Hurrikan brachte es laut Navtex-Bericht auf eine Dauergeschwindigkeit von 80 Kn, mit Böen bis 105 Kn. Satanische Geräusche umgaben uns, während wir zu untätigem Abwarten verurteilt waren. Die Gedanken kreisten um Losreißen, Mastverlust, Untergehen und ähnlichem. Die Zeit vergeht dabei nur tropfenweise.

Kurze Abschnitte der Beruhigung lassen Hoffnung keimen, die sofort von der nächsten Böe fortgefegt wird.

Wie lange dauert es noch?

Donnerstag, 14. Juli, auf Carriacou

04.30 Uhr; Endlich, der Spuk ist vorbei. Wir fallen erschöpft in einen tiefen, kurzen Schlaf. Am Morgen Schadensbegutachtung.

Man glaubt es kaum, es waren bis auf ein paar Kleinigkeiten (Beiboot-Motoraufhängung zertrümmert, Motor mehrere Stunden angehängt im Wasser treibend, - Motor funktioniert, Biminikonsole und Davidsaufhängung ausgerissen, Heckklampen bis 2 cm locker, Schrammen an den Rümpfen, Taue in den Mangroven bis zur Hälfte durchgescheuert) bei unserem Boot keine gravierenden Schäden zu beklagen. Manche erwischte es schlimmer, z. B. Mast weg, Kiel ab und zwei Meter hoch in den Mangroven, ein Motorbootfahrer wurde nach 22 Stunden treibend von der Mannschaft eines Frachters geborgen, usw.

Für mich brachte das Abenteuer ganz klar eine Erkenntnis: „Komme ich noch einmal in diese Situation, dann werde ich das Schiff  gut vertäuen und mich ausschließlich an Land in Sicherheit bringen.“

Wir haben überlebt - und das ist das Wichtigste!

 

Bericht von Skipperin Elisabeth Aigner, Juli 2005

 

EMILY - Die Spur der Verwüstung

...!!!!

 

Copyright © 1999 [Adriatic Sailing & Tours]. Alle Rechte vorbehalten. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Elisabeth Aigner.
Stand: 28. Dezember 2005

 

 

 

 

Elisabeth Aigner (Hurricane-Sissy) und Ewald Pauleder - Katamaransegeln in der Karibik der besonderen Art; 

erwischt von Hurrikan EMILY in der Tyrell-Bucht auf Carriacou im Juli 2005

Segeln mit Hurrikan-Sissi