|
Das
- ABC - der Karibik
.... abseits der Touristenpfade
In
den Segelrevieren in denen Jonathan unterwegs ist findet man noch dass
weitgehend unbekannte Gesicht der Karibik, das der unbehelligten Natur,
das vom Tourismus unberührte, das der wild lebenden Flamingos,
Kormorane, Fregattvögel, Albatrosse, der großen Rochen, das der
Alligatoren und der Wasserschildkröten. Die Orte die wir mit dem
Katamaran bereisen haben alle etwas gemeinsam: Sie sind selten, sehr
wertvoll und meist nur mit einem Schiff zu erreichen. Diese Plätze mit
einem kleinen Kreis an Personen zu erkunden ist mein Interesse.
Ein Ideales Sommerrevier : Los Roques, Islas las Aves, Bonaire, Curacao
Das„Archipelagos
los Roques“ ist der größte zusammenhängenden Marinepark der Karibik. In
einem mehrwöchigen Törn segeln wir über die Los Roques zu den
weitgehend unbekannten „Islas de Aves“ (ein Gebiet in dem man fast
keine Yachten mehr trifft). Von hier weiter in die ABC Inseln Aruba,
Bonaire, Curacao (Niederländische Antillen). Ich kenne das Revier seit
vielen Jahren und bin immer wieder begeistert, dass es eine solche
Pracht an Farben und eine solche Vielfalt an verschiedenartigen Tieren
auf diesem Planeten noch geben kann.
LOS ROQUES - die Geburt der Farbe Blau
Im
Morgengrauen fahren wir mit gut motorisierten Beiboot zur benachbarten
Doppelinsel „Los Canquises“. Der noch junge Tag zieht die langen
Morgenschatten von den Bäumen und gibt langsam den Blick auf das
eigentliche Ziel unserer Neugierde frei: Nistende Pelikane.
Hunderte Jungvögel bevölkern die Bäume und Sträucher. Die Tiere wirken
wie weiße Wattebäuschchen, so dass die Bäume auf denen sie sitzen wie
zu hoch gewachsene Baumwollfelder wirken.
Meine Fotobegeisterten Mitsegler jubilieren über dieses Highlight.
Wir haben die Morgenstunden gewählt, da wir die Fütterungszeit erleben wollen.
Aber hier in der Karibik dauert alles etwas länger und so ist müssen
wir noch etwas warten, bis Aktivität in die Szenerie kommt. Ein
einmaliges und exklusives Schauspiel, das wir hier in den Los Roques
erleben durften. Leider ist die Nistzeit der Pelikane ziemlich früh im
Sommer man kann diese Szenerie nicht immer mit erleben.
&Archi Los Roques“ laufe ich im Jahresabstand regelmäßig an. Vor
einigen Jahren war es noch das am besten gehüteten Geheimnis der
Karibik.
Heute gibt es einen kleinen Flugplatz und Propellermaschinen bringen
die Leute aus Caracas und von Isla Margarita in das Naturparadies.
Der betörende Farbenzauber von weiß pastellgrün/ pastellblau,
mittelblau bis tiefblau zwingen jeden Hektiker zum ausspannen. „Die
Roques“ sind einfach ein Paradies, das Menschen aus aller Welt anzieht.
Das Angenehme dabei ist, dass sich die Urlaubshungrigen auf ganz wenige
der etwa 50 Inseln beschränken müssen, mit dem Segelboot sieht man
allerdings die ganze Pracht.
ISLAS LAS AVES - unbekannte Schönheit
Die Ausgabe der Zeitschrift GEO Spezial, die sich mit der Karibik befasst, erwähnt sie nicht einmal.
Im Gebetbuch der Seebären, dem nautischen Almanach von Thomas Reed ist
zu der Inselgruppe lediglich ein kurzer Text zu finden in dem es unter
anderem heißt dass die Inselgruppe „Islas de Aves“ von einem 8 Meilen
großen, gefährlichen Korallenriffen umgeben ist.
Islas de Aves - die Vogelinseln - sind ein Paradies für Seevögel und Fische.
Sie liegen etwa 30 Seemeilen westlich von den Los Roques. Der Zutritt
zu diesem von Menschen unbesiedelten Vogelgarten ist jedoch nur mit dem
Boot möglich und eröffnet einen Garten Eden für jene, die Natur ohne
Einschränkungen erleben wollen.
Islas de Aves bestehen aus zwei Inselgruppen, Aves de Barlovento
(Luvseitig) im Osten und Aves de Sotavento (Leeseitig) im Westen. Sie
sind etwa 12 Meilen von einander entfernt. Gute Ansteuerungspunkte sind
die auf den Außenriffen aufgelaufenen Frachtschiffe und Yachten.
Ungenaue Seekarten
Im
Osten des Außenriffes von Aves de Barlovento gibt es eine schmale
Durchfahrt, welche den Zugang zum flachen Wasser entscheidend verkürzt.
Die Karte sagt dazu „existence of passage doubtful“. Ich die
Passage mit Hilfe von Peilmarken und GPS vermessen und siehe da, die
Karte hatte recht. Die Durchfahrt war an der in der Karte angegebenen
Stelle tatsächlich nicht vorhanden. Sie liegt vier Kabellängen versetzt
an einer anderen Stelle. Die Seekarten für diesen Teil der Karibik sind
sehr ungenau, basieren sie doch auf Daten, die um die Jahrhundertwende
und davor aufgenommen wurden.
Die Korallenstöcke reichen bis knapp an die Oberfläche und laden zum
Schnorcheln ein. Es fällt sofort auf, dass es eine Vielzahl von
Albatrossen, Seemöwen, Fregattvögel, Pelikane,... gibt.
Auf Isla del Sur, nistet in den Mangroven eine Vielzahl dieser
perfekten Flieger. Bloß beim Starten und Landen wirken sie etwas
tollpatschig - auch die älteren Vögel.
Alle Schnäbel zeigen in unsere Richtung, neugierig betrachten uns die
wolligen noch flugunfähigen Jungtiere und bekommen dabei einen so
langen Hals, dass sie beinahe wie weiße Enten aussehen. Ein trolliger
Anblick.
Tauchen auf den „Aves“
Unter
Wasser sind Erlebnisse so zahlreich wie über Wasser. Islas de Aves sind
ein schönes Tauchrevier. Doch ist Abenteuergeist gefragt, da es weder
eine Tauchbasis, noch irgend eine Beschreibung zu diesem Revier gibt.
Neben dem Abenteuergeist benötigt man noch seine eigene Tauchausrüstung
und einen Tauchkompressor (auf Jonathan gehören Tauchkompressor,
Tauchflaschen und Blei zur Grundausrüstung). Das Tauchen hier ist
ein spezielles Erlebnis. Grosse Barakudas, Königsmuränen, große
Drückerfische, Schildkröten und die ganze Fauna und Flora welche die
Karibik zu bieten hat findet man hier auf den „Aves“.
Da es hier keinen Flughafen gibt ist nicht zu erwarten, dass hier in der nächsten Zeit Touristen zu sehen sein werden.
BONAIRE - Das Salz des Lebens
Gegen
den leuchtenden Abendhimmel zeichnet sich Bonaire ab, wird größer und
langsam erkennbar. Und mit diesem Blick, der immer genauer, weiter und
tiefer wird, bestätigt sich, dass sich die Insel vor allem ein großes
Schauspiel darbietet.
Denn spektakulär zu sein ist das Privileg ganz weniger Inseln der Karibik.
[Frei nach Alejo Carpentier: „El amor a la ciudad“]
Vorerst scheint es Schnee zu sein, der von weitem uns entgegen
leuchtet. Doch lernt man etwas über die Gschichte Bonaires, ist man
vorgewarnt.
Bis zu 60 Meter Höhe erreichen die Salzberge der Insel und vermelden so bereits von weitem die Existez der Insel.
Wer früher zur See fahren wollte benötigte eine Mannschaft (heute sagt
man Crew dazu), die hartgesotten und kräftig war. Die Seeleute sollten
arbeiten wie die Sklaven, gegen Piraten kämpfen wie die Löwen und sich
mit einer minimalen Heuer zufrieden gegen (bis heute hat sich das nicht
geändert mit einer Ausnahme, heute bezahlt eine Crew dafür, dass sie
auf einem Segelschiff mitfahren darf).
Da auf langen Fahrten die Crew verpflegt werden musste benötigte
Lebensmittel in großen Mengen. Vor der Zeit der Erfindung des
Kühlschrankes benutze man zur Haltbarmachung in erster Linie Salz.
Viel Salz! Salz war deshalb sehr wertvoll. Salz war die einzige
Methode, neben dem Räuchern, Fleisch und Fisch über Monate genießbar zu
halten. Ursprünglich hatten die Portugiesen und Spanier in der Karibik
eine Art Monopol auf die Salzgewinnung. Ihr Salzponds lagen im heutigen
Brasilien bzw. Venezuela.
Bonaire ist die östlichste der zu den ABC Inseln zählenden Inselgruppe.
Divers paradise - Tauchparadies Bonaire
Wer
in der glücklichen Lage ist selbst über Tauchausrüstung und Kompressor
zu verfügen, spart sich eine Menge Geld. Bonaire ist teuer. Wie
auch immer, da die ganze Küste Bonaires inklusive der Nachbarinsel
Klein Bonaire ein Naturpark ist bezahlt man dafür auch eine kleine
Gebühr von USD 10,-- .
Tauchen läuft vom eigenen Boot einfach ab. Man hängt sich an eine Boje und taucht ab. Ein geniales System.
Bonaire gehört unbestritten zu den schönsten Tauchplätzen der Karibik.
Das die Insel umgebende Korallenriff ist seit 1972 geschützt, ebenso
die Flamingokolonien. Bonaire ist ein schönes, gut organisiertes
Tauchrevier. Der Tourismus hier bewegt sich auf Samtpfoten und ist
neben der Salzgewinnung die einzige Einnahmequelle der Insel.
Die wichtigste Stunde am Tag ist die Zeit des Sonnenunterganges. Das
Ereignis selbst dauert zwar nur wenige Sekunden, aber es gibt Grund zum
Feiern der happy hour. Üblicher Weise gibt es auf Jonathan Cocktails,
hier in Bonaire fährt man mit dem Beiboot nach Kralendjik, der
Haupansiedlung und lässt sich von Alberto einen Mojito oder in Karels
Bar einen Caipirina servieren.
CURACAO - Das Amsterdam der Karibik
Bunt
bemalte Häuser im Stile Amsterdams, ein kleiner Kanal, ein altes
Segelschiff. Im ersten Moment wähnt man sich in Holland. Es hat jedoch
28 Grad Lufttemperatur und das im Jänner. Wir sind also doch richtig
angekommen: Willemstad in Curacao. Bezaubernd wirkt „Punda“, das
älteste Stadtviertel. Schmale Gassen, Brücken, die Fenster der Häuser
niedrig und ohne Vorhang,....
Fährt man durchs Land fallen einem zunächst die zahllosen Kakteen auf.
Es regnet nur wenig mehr als in Bonaire - ca. 500 mm/Jahr. Auf Grund
des Klimas und der rücksichtslosen Abholzung in der Vergangenheit gibt
es vorwiegend Kakteen, Dividienholz (Gerbstofferzeugung) und - ganz
wichtig - den Pomeranzenbaum. Der Likör, der aus den Früchten des
Letztgenannten erzeugt, hört auf den Namen „Blue Curacao“ und machte
die Insel weltbekannt.
Wir liegen mit Jonathan in „Spanisch Waters“ in der „Seru Boca Marina“.
Eine neue, sehr mondäne Marina mit allen Annehmlichkeiten. Der Kontrast
zu der langen Zeit, die wir in der Wildnis zugebracht haben könnte
nicht kräftiger ausfallen.
Zeitlos
In
der Karibik und Lateinamerika war die Ära nach den Entdeckungsreisen
des Kolumbus (nach 1492) eine wilde Zeit. Die Plünderung des neu
entdeckten Kontinents, der Genozid der Urbevölkerung, Seeräuberei,
Sklaverei, Seuchen, Tod ....
Unermesslicher Reichtum stand Ausbeutung und Armut gegenüber. Das eine bedingte offenbar das andere.
Ich bin nun weit über 100.000 Seemeilen auf verschiedenen seegehenden
Segelyachten gesegelt, das ist die Strecke von 5 Weltumsegelungen. Mehr
als die Hälfte dieser Zeit habe ich in Lateinamerika und der Karibik
versegelt und so sehe ich vieles mit anderen Augen.
Man lernt mit Flauten und Stürmen, Kriminalität und Unfällen, den
auftretenden technischen Gebrechen, mit Behörden und Gaunern und vielem
mehr umzugehen. Diese Eindrücke gepaart mit duzenden gelesenen Büchern
zum Thema Karibik und Lateinamerika lässt in mir die Überzeugung
wachsen, dass sich heute - einige Jahrhunderte nach Kolumbus - die
Verhältnisse kaum geändert haben.
Aber nicht nur die Verhältnisse in den einzelnen Ländern sind fast
unverändert, auch das Leben auf See ist nach wie vor faszinierend und
spannend wie ein Film.
Die kommenden Ziele
In den kommenden eineinhalb Jahren wird Jonathan in den folgenden Revieren segeln:
Kuna Yala (San Blas Inseln vor Panama)
ABC Inseln inc. Los Roques und Las Aves,
Las Perlas,
|